DJ PICADILLY INFO

Mambo ist doch längst passé? Irrtum! Was in europäischen Tanzschulen gelehrt wurde ist nur ein müder Abglanz dieser vielseitigen Tanzmusik. Seine Blüte erlebte Mambo im New York der Vierziger und frühen Fünfziger Jahre, wo er aus der Begegnung von kubanischer Musik und Swing entstand. Durch historische Umstände kam das Beste davon jedoch nie in Europa an - bis vor kurzem. Im Gefolge von Filmen wie ‚Mambo Kings' und ‚Buena Vista Social Club' hat eine Flut von Wiederveröffentlichungen diese vielleicht spannendste und lebendigste Epoche der kubanischen Musik wieder zugänglich gemacht.

Gerade der Mambo der frühen Jahre besticht durch seinen Abwechslungsreichtum und die Freiheit, die er den Tanzenden bietet - anders als der Mambo, der später zum Standardtanz wurde. Mit dieser kosmopolitische Tanzmusik hatten Latinos, schwarze Swing-Tänzer und weiße Anglo-Amerikaner gleichermaßen ihren Spaß. Bereichert wird die Selection durch Guarachas, ‚Rhumbas' (dem Latin-Stil der 30er),  Afro-Cuban Jazz und Latin-Swing, und rekonstruiert so den Sound der New Yorker Latin-Dancehalls von den späten Dreißigern bis Mitte der 50er Jahre.

Wie geht ein DJ mit rund 50 Jahre alter Musik um? Leider sind die erhältlichen Aufnahmen von so unterschiedlicher Qualität, daß sie sich kaum zum Auflegen eignen. Zum Glück sind jedoch heute die technischen Mittel verfügbar, um mit digitalem Remastering die Aufnahmen klanglich den Standards moderner Clubmusik anzunähern. Deejaying mit selbst ‚hand-restaurierten' CDs wird zur neuen Aufgabe für den DJ, da hier Originale aus Vinyl oder Schellack ohnehin kaum befriedigende Ergebnisse bringen.

‚DJ Picadilly' ist ein Projekt von Hans Kroier, welches das Ziel verfolgt, alte Latin-Klassiker wieder für den Dancefloor zu erschließen. Hans spielt seit über zwanzig Jahren Latin-Percussion und hat ausgedehnte Studien in kubanischer Musikgeschichte betrieben. Seit fünf Jahren nun durchwühlt er die Wiederveröffentlichungen von Mambos, Rumbas, Plenas usw. nach Stücken, die ihrer Zeit voraus waren. Sorgfältige Auswahl, Klangrestauration und Remastering sind die Mittel, mit denen er versucht, ihren lebensfrohen Drive wieder auf die Tanzfläche zu bringen.

DJ Picadilly dankt allen Veranstaltern, die das Projekt unterstützt und diesem ungewohnten Sound einen Platz eingeräumt haben. Die Möglichkeit, Klang und Mix immer wieder im Club zu testen, waren Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung dieses Projektes.

Der Name „Picadilly" stammt von Tito Puente's erster Band, den „Picadilly Boys" (siehe Cover „Mambo With Me", die wiederum nach dem Mambo „Picadillo" (span. „Gehacktes") benannt war.