"WARUM JAZZ?"
Jazz Hören - Jazz Spielen: ist Jazz vor allem eine Musik für Musiker, wie manche behaupten? Diese Frage braucht eigentlich nicht beantwortet zu werden, da ohnehin niemand so genau weiß, was Jazz eigentlich ist. Aber warum verbeißen sich gerade Elektronikmusiker immer wieder in dieses Thema? In meinem Fall liegt es nicht nur daran, daß ich in jungen Jahren einmal den naiven Wunsch hegte, Jazzmusiker zu werden. Vielleicht war entscheidender, daß ich diesen Plan wieder fallen ließ. Das lag auch an der Sache mit dem Hören und Spielen. Viel spielen, um gut zu spielen? Würde mich das wirklich zum Wesen dieser Musik führen? Der Antwort näher brachte mich erst die Club- und Party-Ära. Genug gute Parties, um die sogenannte Spielfreude unhörbar auf der Tanzfläche auszuleben. Was übrig bleibt, ist die Idee einer virtuellen Begleitung: tanzbarer Jazz. Merkwürdig, wie spät mir bewußt wurde, daß solcher tatsächlich existiert - womit sich auch die Frage ganz neu stellte, was Jazz eigentlich ist. Inzwischen hatte ich Trommeln gelernt und die Musik-Elektronik ausgecheckt; und auf einmal tat sich eine Weg auf: den inneren Zusammenhang erforschen, der zwischen elektronischen Beats und ihren Vorläufern besteht. An einem subtilen Trend weiterarbeiten, den ich da und dort aufblitzen hörte: Die ‚Re-afrikanisierung' des Jazz mit technischen Mitteln, seine ‚Minimalisierung', die Reduktion des Harmonisch-Melodischen, bis es wieder ins rhythmische Pulsieren des Gesamtklangs umkippt. Oder: die Präzision des Computers, gekreuzt mit der repetitiven Rhythmik Afrikas und Schönbergs Idee der Klangfarbenmelodie. Und welches Instrument? Ich gebe zu, als Junge auch einmal E-Gitarristen bewundert zu haben, aber dann waren meine Helden lange Zeit eher die Conga-Spieler, die mit bloßen Händen diese hinterhältig trocknen und federnden Grooves spielten, alles offen und sichtbar, nur die Augen sind zu langsam um es zu verstehen. Aber dann kam Hip-Hop und mit ihm die coolen Jungs im Hintergrund, die mit ihren Samurai-Schwertern zwei präzise Schnitte im Klangmaterial ausführen - und fertig ist die Grundspur. Ein groovender Fingerabdruck auf dem Beat, das Anritzen eines Klangraums, der Kick des Dokumentarischen in den Noise-Spuren der Aufnahme, der Hauch einer Tonalität, suggestiv, aber nicht diktatorisch. Ohne Zweifel, mein Lieblingsinstrument ist der Sampler!