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"All Cats Jammin'..."
Daß das Thema elektronischer Jazz noch lange nicht erledigt ist, sondern
im Grunde erst am Anfang, daran glaubt der Berliner Mixmaster Hans Kroier
a.k.a. Pickadelic. Nachdem er bei seinen gelegentlichen Auftritten in den
letzten Jahren nur Arbeitsproben seiner diversen Sample-Projekte lieferte,
hat er in diesem Jahr ein ganz neues Programm erarbeitet, das sich genau
darum dreht: Jazz, und zwar von seiner tanzbaren Seite. Vom Jive und Swing
der zwanziger und dreißiger Jahre bis zum Groove-Jazz der Sixties
reichen die Inspirationsquellen seines neuen Live-Sets und des daraus hervor
gegangenen Albums mit dem Arbeitstitel ‚All Cats Jammin...'. Worum
es bei diesem Thema geht, sind weniger smoothe Bar-Tracks und ebensowenig
virtuos-experimentelle Programmierungs-Exzesse. ‚All Cats Jammin...'
ist ein amüsanter und überraschungsreicher Ritt durch die Jazzgeschichte
auf dem Rücken fetter Beats und Basslines. Deren Zusammenprall
mit der historischen Klangästhetik und mit 'echtem' Swing ist es, was
Hans Kroier interessiert - die Veränderung des Blick- bzw.
Hörwinkels, die sich aus der ungewohnten Verbindung ergibt. Spielte
Duke Ellington eigentlich Breakbeat? Oder war Louis Jordan ein Rapper? War
Charles Mingus ein Funk-Bassist, und produzierte Sun Ra nicht Ambient-Techno?
Mit dieser Methode kann man viel Zeit mit dem Studium alter Platten verbringen!
Daß das lange herangereifte Unternehmen letztendlich Gestalt annahm,
und dabei auch die Bedürfnisse des Dancefloors berücksichtigt,
verdankt sich den Anstößen befreundeter Deejays: DJ T-Ina, die
auf ihre Weise an der Verbindung von Swing-Jazz und elektronischen Beats
arbeitet, Swingin' Swanee mit ihrem unschlagbaren Repertoire, und Anderer,
die mir dazu verholfen haben, Jazz neu zu hören. Augenblicklich geht
das Projekt in seine nächste Etappe: Pickadelic Live-Mixing als Teil
einer Jam Session mit ‚echten' Musikern! (ZURÜCK)